KRITERIEN & STANDARD

Die ASSESI-Kriterien

Der ASSESI-Kriterienkatalog befindet sich aktuell noch in der Entwicklung. Die Kriterienentwicklung folgt dabei einem zweistufigen Aufbau: Zunächst legen sechs übergeordnete Prinzipien fest, woran sich nachhaltige Kompositversicherungsprodukte grundsätzlich messen lassen müssen — etwa in Bezug auf ihre Lenkungswirkung beim Kunden oder die Qualifikation von Vertrieb und Beratung.

Auf dieser Basis werden im nächsten Schritt konkrete, messbare Kriterien für die drei Sparten Wohngebäude, Hausrat und Privathaftpflicht abgeleitet, mit denen sich einzelne Produkte später tatsächlich prüfen und zertifizieren lassen.

Getragen wird dieser Prozess von einem DBU-geförderten Forschungsprojekt der Greensurance Stiftung, das eng mit Versicherungsunternehmen, Fachverbänden und unabhängigen Expert:innen zusammenarbeitet.

Prinzipien

Die sechs Grundprinzipien geben den übergeordneten Rahmen für die Entwicklung der Kriterien vor. Auf dieser prinzipienbasierten Ebene werden zunächst zentrale Anforderungen an nachhaltige Kompositprodukte beschrieben. Daraus werden im nächsten Schritt konkrete und messbare Indikatoren für das ASSESI-Label abgeleitet.

1.

Lenkungswirkung gegenüber dem Kunden

Nachhaltige Produkte entfalten eine erkennbare Wirkung, z. B. durch Bonus-/Malus-Mechanismen, nachhaltigkeitsgekoppelte Prämien (Sustainability Linked) oder Präventionsanforderungen als Versicherbarkeitsvoraussetzung.

2.

Aussagen des Produkts

Die Produktkommunikation muss nachvollziehbar und relevant sein: Nachhaltigkeit als Standard, nicht als Zusatz. Das Wording in den AVBs deklariert klar, welche Mehrleistungen für einen nachhaltigen Schadenersatz vorgesehen sind.

3.

Leistungen im Schadenfall

Schadenmeldungen sollen auf nachhaltige Mehrleistungen hinweisen. Diese Leistungen müssen messbar sein, etwa durch Ermittlung und Kompensation von CO₂-Äquivalenten oder ökologische Ersatzleistungen.

4.

Vertrieb und Vermittlung

Nachhaltige Produkte entfalten nur dann Wirkung, wenn Vertrieb und Mitarbeitende informiert und geschult sind. Versicherer müssen nachweislich in Nachhaltigkeitskompetenzen im Vertrieb investieren.

5.

Aus- & Weiterbildung

Übergeordnetes Ziel ist die schrittweise Ablösung konventioneller Produkte durch nachhaltige. Das Prinzip beschreibt die strategische Ausrichtung des Unternehmens und seiner Vermittler in Richtung Nachhaltigkeit.

6.

Transformationsbeitrag

Übergeordnetes Ziel ist die schrittweise Ablösung konventioneller Produkte durch nachhaltige. Das Prinzip beschreibt die strategische Ausrichtung des Unternehmens und seiner Vermittler in Richtung Nachhaltigkeit.

Aufbau des Kriterienkatalogs

Übergeordnet und produktspezifisch

Der Kriterienkatalog besteht aus zwei Ebenen: Übergeordnete Kriterien gelten spartenübergreifend für alle drei Produktlinien — etwa zu Vertrieb und Produktkommunikation. Ergänzend dazu erhält jede Sparte (Wohngebäude, Hausrat, Privathaftpflicht) einen eigenen Kriterienkatalog mit spezifischen nachhaltigen Leistungsbausteinen, die sowohl ökologische als auch soziale Aspekte abdecken.

Jeder Leistungsbaustein wird individuell gewichtet — je nach seinem Transformationsbeitrag: Je größer sein Hebel für den Klimaschutz, desto stärker fließt er in die Bewertung ein.

Daraus ergibt sich bewusst Spielraum: Ein ASSESI-zertifiziertes Wohngebäudeprodukt kann bei unterschiedlichen Versicherern unterschiedlich aussehen, je nachdem, welche Leistungsbausteine ein Anbieter integriert.

Entscheidend ist, dass jedes zertifizierte Produkt eine festgelegte Mindestpunktzahl an Nachhaltigkeitsbausteinen erreicht.

Stakeholdereinbindung

Gemeinsam entwickelte Kriterien

Der Kriterienkatalog entsteht nicht allein durch unsere Arbeit in der Stiftung, sondern im Dialog: In KPI-Workshops erarbeiten wir die konkreten Kennzahlen gemeinsam mit Expert:innen aus der Versicherungswirtschaft, ergänzt durch Interviews mit weiteren Stakeholdern.

Unser Projektbeirat begleitet die Standardentwicklung fachlich und strategisch. Bevor der Kriterienkatalog final veröffentlicht wird, durchläuft er zudem einen öffentlichen Konsultationsprozess.

Konsultation läuft

Erste Konsultationsrunde zum ASSESI-Siegel

Drei grundsätzliche Weichenstellungen stehen zur Diskussion. 
Stellungnahmen sind möglich bis 15.10.2026.

DIN-Norm

Neue DIN-Norm für nachhaltige Kompositversicherungen

Parallel zur Einführung des ASSESI-Labels entsteht eine technische Spezifikation zur DIN EN 32211 (Sustainable Finance) für nachhaltige Kompositversicherungsprodukte. 

Die Spezifikation schafft eine prinzipienorientierte Grundlage für die Nachhaltigkeitskennzeichnung eines breiten Spektrums an Kompositversicherungen.

Für Privatkund:innen ebenso wie für Gewerbe und Industrie.

Beide Ansätze werden bewusst parallel entwickelt und ergänzen sich: die DIN-Spezifikation als breite, prinzipienorientierte Grundlage, das ASSESI-Label als streng regelbasiertes, KPI-gestütztes Zertifizierungsinstrument für unabhängig geprüfte Produkte.

Kriterien mitgestalten

Möchten Sie sich an der Entwicklung des Kriterienkatalogs beteiligen? Noch ist das möglich — etwa in unseren KPI-Workshops, im Rahmen eines Interviews oder über unseren öffentlichen Konsultationsprozess. Sprechen Sie uns gerne an.